Reisebericht: BOA VISTA – KAPVERDEN

Der ehemalige Kitesurf-Trophy Teilnehmer Christian Winkenjohann hat eine neue Passion, anstatt Wettkämpfe zu fahren ist er dem Waveriding verfallen und berichtet in seinen Reiseberichten von der Suche der perfekten Welle. Jetzt war er auf den Kapverden unterwegs. Hier sein Bericht.

Um den kalten und dunklen Winter zu unterbrechen, flog ich in diesem Jahr nach Boa Vista, eine kapverdische Insel. Zuvor wußte ich nicht, was mich dort erwarten wird, also nahm ich Freestyle- und Wavematerial mit. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich nur 5 Minuten Freestyle in 2 Wochen gefahren bin. Abhängig von Swell und Tide brachen durchweg Wellen zwischen einem und fünf Metern Höhe vor dem Strand. Das klingt erst einmal perfekt, aber es gibt einen kleinen Haken. Der Wind war gering und sehr böig. Man muß sich daran gewöhnen große Kites in großen Wellen zu fliegen. Man kann die Welle seines Lebens reiten, oder aber ohne Druck im Kite vor einer 4m hohen, hohl brechenden Welle stehen.

Eine kurze Zusammenfassung der Reise:

  • Die ersten Tage war nur sehr leichter Wind für den 12er Flexifoil Hadlow ID und saubere 1-2 m hohe Wellen.
  • Am dritten Tag traf mich die Finne meines Surfboards im Gesicht und hat einen Schnitt oberhalb des Auges hinterlassen. Ich mußte zum Nähen ins Krankenhaus. Erstaunlicherweise war der Aufenthalt im Krankenhaus günstiger als das Taxi zurück zum Strand.
  • Ich sollte nun eine Woche nicht ins Wasser gehen. Glücklicherweise habe ich nur einen windigen Tag verpaßt. Zwei Finnen haben uns ein neues Kartenspiel beigebracht und wir haben die Sonne genossen.
  • Sechs Tage später hat meine Freundin die Fäden gezogen und ich konnte pünktlich zum zurück kehrenden Wind wieder kiten.
  • Der Wind reichte für den 10er Hadlow ID für den Rest der Reise. Der Swell nahm auch mit jedem Tag zu. Es ist wirklich beeindruckend, wie hoch die Wellen dort werden können und wie lang sie so laufen.
  • Highlight war eine Welle auf der 7 Cutbacks möglich waren.
  • Am vorletzten Tag war es nahezu unmöglich raus zu kommen. Der Shorebreak war der größte, in dem ich je gefahren bin. Ich bin immer strapless und ohne Leash gefahren. Mit Glück schaffte ich es raus und auf einer Welle zurück zum Strand. Ohne Glück ging es auch zurück zum Strand, aber in einem einzigen ewig langen Waschgang.
  • Am letzten Tag war alles perfekt. Die Wellen waren groß und sehr sauber und zum ersten Mal war der Wind nicht böig.
  • Glücklicherweise hat es mein komplettes Material geschafft, die Insel unzerstört zu verlassen.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Die Sonne auf den kapverdischen Inseln ist sehr stark. Einmal war ich ohne Shirt und Sonnencreme für eine halbe Stunde draußen und bekam den schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens. Das soziale Verhalten von Kakerlaken ist beeindruckend, wenn man mal von der ekligen Seite absieht. Ich mußte abends viele von denen fangen. Als meine Freundin auf eine getreten ist, kamen gleich 5 andere, um die Tote zurück unters Sofa zu ziehen. Eine erfreuliche Erfahrung war, neben großen Schildkröten zu kiten und den Fischen beim Springen zu zusehen. Die Einheimischen sind sehr nett und hilfbereit. Sie helfen, wo sie können und erzählen dir gern mehr von den Inseln. Wir hatten nur unsere Kompaktkamera dabei, was definitiv ein Fehler war. Um gute Bilder von den Wellen zu bekommen, benötigt man eine gute Kamera mit großem Objektiv, da die Wellen weit vorm Strand anfangen zu brechen.

Text & Bilder von

Christian Winkenjohann - www.christianw.de