Interview mit einem Fotografen

Manu Schwingel ist als Profifotograf unterwegs und hat schon viele Fotos für zahlreiche Kitemarken und deren Fahrern geschossen. Seit 2008 lebt er in Ägypten und bekommt dort immer wieder Top-Kiter vor die Linse. Zuletzt standen die Deutschen Meister Sabrina Lutz und Florian Gruber vor seiner Kamera. Nun steht er der Kitesurf-Trophy Rede und Antwort und gibt uns Einblicke in die Welt der Fotografen.

KST: Du bist schon durch die ganze Welt gereist, aber was verschlägt einen Bayern letztendlich nach Ägypten? Und wo genau lebst du da?

Manu: Naja, die ganze Welt noch nicht, aber was nicht ist, kann noch werden. Doch es stimmt, dass ich schon viele Länder bereist habe und dort lebte. Das Ganze jetzt schon seit 12 Jahren - ein Leben aus dem Koffer. Ägypten war und ist noch immer ein Kindheitstraum. Warum, kann ich gar nicht mehr so sagen. 1995 lernte ich das Land der Pharaonen das erste mal kennen und mich hat dann ein Virus erwischt, der immer wieder sagte, dass ich zurückkommen soll. Im Jahr 2002 arbeitete ich das erste Mal in Ägypten für ein großes deutsches Tourismusunternehmen und blieb 3 Jahre am Roten Meer in der Nähe von Safaga. Im Jahr 2008 entschloss ich mich wieder nach Safaga zurückzukehren und lebe seitdem hier. Safaga selber ist ein verschlafenes kleines Städtchen direkt am Meer und kann in keinster weise mit Hurhgada oder El Gouna verglichen werden. Aber die naheliegende Soma Bay, bzw. Abu Soma sind eins der besten Kite- und Surfreviere. Und das bietet sich natürlich an hier zu leben und zu arbeiten. Es ist einfach geil hier...

Florian Gruber
Florian Gruber

KST: Wie bist du Fotograf geworden? Hast du es richtig gelernt oder mehr bei "Learning by doing"?

Manu: Ich glaube, Fotograf kann man nicht "werden" - man ist es einfach oder es steck in dir. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein absolut schlechter Zeichner bin und bestimmte Dinge nicht so festhalten kann.
Schlussendlich ist es so, dass ich schon als Kind gerne fotografierte und es sich mehr und mehr zu einer Ambition bzw. Passion entwickelte. Gelernt wurde dann bei unterschiedlichen Fotografen-Kollegen, die immer mit Rat und Tat zur Seite standen und meine Arbeit verfeinerten.  

KST: Du fotografierst auch viel im Bereich Wassersport. Bist du selbst Wassersportler und ist es dann einfacher in dem Bereich das perfekte Foto zu schießen?

Manu: Um ganz ehrlich zu sein. Es ist für alle Kiter dieser Welt sicherer, wenn ich nicht auf dem Wasser bin mit dem Kite. Nach mehreren Versuchen von Instructoren mir das Kiten beizubringen einigten wir uns irgendwann auf "Talentfrei". Aber es ist tatsächlich so, dass man sich mit dem Sport identifizieren muss um bessere Bilder zu schießen. Man sollte die verschiedenen Sprünge und deren Ausführung kennen. Denn nur dann weiß man auch, auf welchen Moment es ankommt im Bild. Da ich im Jahr über 300 Tage an Kitebasen rumhänge und mit den Kitern zusammen bin, bin ich mir sicher, dass ich in der Theorie die gängigsten Sprünge alle erklären kann und auf was es ankommt. Das hilft ungemein bei der Umsetzung der Bilder.

Sabrina Lutz
Sabrina Lutz

KST: Bei Actionfotos auf dem Wasser ist es ja wichtig den richtige Zeitpunkt zum Abdrücken zu finden. Welchen Tipp kannst du da dem Hobbyfotografen geben?

Manu: Wie schon beschrieben, ist es wichtig, dass man die Abläufe kennt. Anders wird es eher schwer. Wenn ein Rider einem "Nichtkiter" als Fotograf sagt, dass er jetzt mal einen (ok... leicht übertrieben jetzt): "S-Bend to Blind mit double handlepass to toeside unhooked mit einem 313er grab mit finger to the nose" springt, kann er sicher nichts damit anfangen und drückt einfach mal auf den Auslöser. Ein schöner Raley mit viel Spray ist meist schöner anzusehen als Bild. Also: Keep it simple and stupid. Und bei Handlepasses zählt grundsätzlich nur, dass beide Hände hinter dem Rücken an der Bar sind. Wie der Sprung schlussendlich endet, ist auch nicht so wichtig. Auf dem Bild sieht man die Landung ja nicht.

Manu Schwingel
Manu Schwingel

KST: Fotos aus dem Wasser zu schießen kann manchmal gefährlich werden. Gab es bei dir schon brenzlige Situationen oder sogar Unfälle?

Manu: Nennen wir es einfach "Nahtoterfahrungen". Wenn man mal wieder zwischen den Leinen steht, weil ein Rider seinen Kite gnadenlos runtercrasht, oder ein "missglückter" Sprung so endet, dass jemand 1 Meter vor dir mit voller Wucht einschlägt, dann steigt das Adrenalin auch als Fotograf. Unfälle gab es nur einen, den ich als Unfall bezeichne. Seitdem trage ich über meinem linken Auge eine schöne kleine Narbe. Man muss aber erwähnen, dass es ein kalkulierter Unfall war. Für spezielle Aufnahmen braucht man einfach einen speziellen Blickwinkel. Und Mutter Natur hat dafür gesorgt, dass der Wind genau in diesem Moment kurz nicht so war, wie er sein sollte. Dann tat es einfach einen riesen Schlag und das Blut verteilte sich mehr und mehr über mein Gesicht.

KST: Welches Shooting war für dich absolut besonders oder verrückt?

Manu: Das wohl genialste Shooting war letztes Jahr in der Soma Bay bei Surfmotion bei gut 30-35 Knoten und perfekte Bedingungen für Rider und Fotografen. Bei Aufnahmen für ein Lehrbuch und Video, das bald erscheinen wird,  zeigten Mike Blomvall, Kevin und Jaluo Langeree, Niklas Imaz de Zavella, Julian Hosp, Seb Garat, Thomas "Beany" Burblies und viele andere Top-Rider ihr ganzes Können. Die komplette Crew inkl. unzählige Zuschauer feierten ein regelrechtes Fest auf dem Wasser mit Stadionstimmung wie beim Endspiel der Fussball WM.

Florian Gruber
Florian Gruber

KST: Was ist deine schlimmste Foto-Panne gewesen?

Manu: Ganz klar und unschlagbar, wie ich bei Aufnahmen im Wasser auf eine Zitterrochen gestiegen bin, er mich Vollgas "anbritzelte" und ich meine Cam in hohen Bogen im Meer versenkte... 2 Stunden Arbeit und 8 GB Bildmaterial lachten mich aus 1 Meter Wassertiefe an und sagten mir: "hätteste mal ein Unterwassergehäuse genommen"

KST: Wen würdest du am liebsten gerne mal vor die Linse bekommen?

Manu:
Es gibt nicht wirklich jemand Speziellen, denn es macht mit jedem Rider Spaß und Freude. Ob jetzt Pro-Rider oder absoluter Anfänger, der gerade seine ersten 5 Meter gefahren ist. Aber wenn Du mich so fragst: DICH !

KST: Aktuell hattest du ja Sabrina Lutz und Florian Gruber vor der Linse. Ist es sehr kostspielig dich für so ein privates Ridershooting zu buchen oder zahlen sowas eher die Sponsoren der Rider?

Manu:
Es ist unterschiedlich. Manchmal sind es die Rider selber die mich Buchen, dann wieder die Sponsoren. Mich direkt zu Buchen ist grundsätzlich für alle möglich. Da unterscheide ich nicht ob Pro oder nicht. Alle sollen perfekte Aufnahmen nach ihren Wünschen und Vorstellungen bekommen. Ob jetzt "Actionbilder" oder Portraits. An "meiner" Hauptlocation bei Surfmotion in der Soma Bay sind die Bedingungen einfach perfekt für alles was benötigt wird. Super Sideshore Wind, unbeschreiblich schöne Wasserfarben und Flachwasser vom feinsten. Kostspielig ist es sicher nicht mich zu buchen, da ich ja schon vor Ort bin.

Sabrina Lutz
Sabrina Lutz

KST: Du hast auch schon für verschiedenen Kitehersteller fotografiert. Für welche Marken genau hast du Shootings gemacht?

Manu:
Ich shoote ja nicht direkt die Marke, ich shoote die dazugehörigen Rider die die Marke verkörpern und vermarkten. Man kann aber sagen, dass viele Hersteller und deren Rider in der Branche Bilder von mir bekommen haben.

 

KST: Jeder läuft mittlerweile mit einer Digitalkamera rum und nennt sich schnell Fotograf. Lebst du ausschließlich von dem Job als Fotograf?

Manu: Da die Technik in der digitalen Fotografie immer besser und bezahlbar wird, ist das Dasein als Fotograf ein hartes Brot. Mein Wunsch war es als selbständiger Fotograf zu arbeiten und lebe somit von der Fotografie im Bereich Wasserport, Portrait und Fashion.

 

Mehr Bilder und Infos über Manu findet man auf: www.iso-x.com - The Sensitivity to Light