Interview mit Christine Bönniger

Ein Interview mit Christine Bönniger, einer jungen Kitesurferin aus Kiel, die nach nur drei Jahren Kiteerfahrung schon Deutsche Meisterin im Race in der Kitesurf-Trophy in Fehmarn wurde. Als einzige Flysurfer Teamfahrerin, kämpft Christine erfolgreich in Race und Freestyle und ist aufgrund ihres lockeren, lustigen aber auch zielstrebigen Auftretens auf allen Veranstaltungen gerne gesehen.

Flysurfer: Nach nur drei Jahren Kiteerfahrung schon Deutsche Meisterin im Race- wie fühlt sich das an?

 

Bönniger: Super gut, unerwartet, genial … aber ich will noch mehr.

 

Flysurfer: Wie hast Du dich auf den Bewerb vorbereitet?

 

Bönniger: Ich hatte ja von Flysurfer ein Board bekommen und habe im Vorfeld versucht, so oft wie möglich zu trainieren, aber das ist gerade beim Race schwer. Man braucht einen Kurs, den man sich selbst überlegen und sich immer wieder selbst motivieren muss.

 

Flysurfer: Wie hast Du dich an diesem Tag gefühlt? Hast Du mit dem Sieg gerechnet?

 

Bönniger: Eigentlich nicht… (zögert kurz)… eigentlich ja. Das letzte Jahr lief für mich schon sehr gut. Den ersten Tourstopp in Dahme habe ich dieses Jahr nicht gut abgeschlossen. Die ablandigen Winde haben mich viel zu weit hinausgetragen. Danach  in Büsum, konnte ich wieder ausgleichen und die ersten drei Plätze waren alle punktgleich. Auf Fehmarn hat sich dann alles entschieden. Ich bin mit meinem grünen Speed3 in 15 m² an den Start gegangen und konnte von fünf Rennen alle mit einem riesen Vorsprung gewinnen. Das war toll, obwohl ich schon vor jedem Rennen etwas Angst hatte, den hohen Erwartungen, die an mich gestellt worden sind, nicht zu entsprechen.

Flysurfer: Wie lassen sich Strecke, Windverhältnisse und Gegner auf Fehmarn und St. Peter-Ording vergleichen?

 

Bönniger: Auf Fehmarn waren die Bedingungen für Flysurfer Kites sehr gut. Es war wenig Wind aber auch leider sehr viel Seegras während der Bewerbe. Wenn man dagegen gefahren ist wurde man total gestoppt und manche hat es sogar über das Board geworfen. Das waren wirklich keine einfachen Bedingungen. Von vorne herein hatte ich zwei starke Gegnerinnen Heike Wycisk und Annett Bremer, aber beide hatten mit dem Seegras während dem Rennen große Schwierigkeiten.

 

Flysurfer: Gab es in St. Peter-Ording auch Probleme dieser Art?

 

Bönniger: Nein, in St. Peter-Ording war gar kein Seegras. Das einzige Problem war ein Holzstück während eines Trainings mit dem Race-Team Germany. Die einzige Gefahr ging wirklich von dem Holzstück aus (lacht herzlich). Die Kursrennen waren in St. Peter-Ording viel länger als bei der Trophy in Fehmarn, da ist man gleich den Unterschied zwischen einem nationalen und einem internationalen Bewerb aufgefallen. Das Niveau und die Schwierigkeit der Rennen waren in St. Peter-Ording höher, die Kurse waren ganz anders gesteckt. In Fehmarn gab es Downwind und Upwind Strecken und maximal einen Dreieckskurs. Am Worldcup dagegen, war sogar ein Trapezkurs zu fahren, das ist noch einmal ganz anderes hinsichtlich der Taktik.

Flysurfer: und die Stimmung …?

 

Bönniger: St. Peter-Ording ist hinsichtlich Location und Stimmung ganz anders als Fehmarn. Da hört man auf einmal ganz viele andere Sprachen, trifft viele neue Leute und alles ist extrem groß. St. Peter-Ording ist der größte Tourstopp und eine internationale Veranstaltung, da kann ein nationaler Event wie Fehmarn nicht mithalten.

 

Flysurfer: Beim Kitesurf Worldcup hast Du den vierten Platz erreicht. Bist Du mit deiner Leistung zufrieden?

 

Bönniger: Ja ich bin zufrieden, aber trotzdem bleibt eine kleine Wehmutsträne. Ich hätte den dritten Platz schaffen können, aber die Raceleitung war mir wohl nicht gut gesonnen. Ich bin schon auf einen Punkt an den dritten Platz herangekommen. Wären ein oder zwei weitere Rennen gewesen, hätte ich es noch schaffen können.

 

Flysurfer:  Nach so erfolgreichen Wettbewerben, welches Rennen steht jetzt als nächstes an?

 

Bönniger:  Jetzt möchte ich erst mal trainieren und ausspannen, die 10 Tage in St. Peter-Ording waren ziemlich anstrengend. Eigentlich ist die Saison jetzt vorbei aber eventuell fahre ich noch nach Frankreich nach St. Gilles Croix de Vie / Vendée zur Kitesurftour Europe vom 26. Oktober bis zum 01. November. Ansonsten warte ich darauf, dass Schnee fliegt und ich endlich wieder snowkiten fahren kann.

 

Flysurfer: Was ist Deine Hauptmotivation beim Kiten? Was treibt Dich an?

 

Bönniger: Kiten kickt mich einfach. Wenn ich den Kite noch weiter nach hinten reiße als sonst und auf einmal 5 Meter in die Höhe fliege ist das einfach toll.  Ich möchte mich weiterentwickeln und neue Leute fürs Kitesurfen begeistern.

Flysurfer: Hast Du schon Pläne für die Zeit nach dem Biologie Studium?

 

Bönniger: Bisher bin ich mit dem Bachelorstudium fertig und arbeite gerade an meinem Master. Aufgrund des vielen Kitesurfens verlängert sich das ein bisschen, zum Leidwesen meiner Eltern, die das Spielchen aber zum Glück mitmachen. Für die Zeit nach dem Studium habe ich noch gar nicht viel geplant. Ich möchte noch eine Doktorarbeit anhängen, aber da sind ja noch einige Jahre hin, das ist alles noch nicht spruchreif. Ein Jahr auf Reise gehen um zu Kiten wäre der Hammer, aber momentan konzentriere ich mich mal auf die kommenden Events.

 

Flysurfer: Kannst Du dir vorstellen, das Kiten zum Beruf zu machen?

 

Bönniger: Ja das könnte ich mir gut vorstellen. Für mich ist Sport alles. Wenn ich einmal krank bin, ist es für mich die Hölle nur auf der Couch zu liegen.  Wenn kein Wind ist gehe ich Longboarden oder Mountainbiken und wenn draußen gar nichts mehr geht, weil es regnet, strampele ich meine überschüssige Energie auf meinem Indoor-Bike weg.

 

Flysurfer: Wie oft trainierst Du? Trainierst Du alleine oder mit einem festen Trainingsteam?

 

Bönniger: Ein festes Trainingsteam baut sich gerade ein bisschen auf. Mein Freund hat sich auch ein Raceboard geholt, jetzt fahren wir oft gemeinsam. Das macht wirklich viel Spaß weil er im Downwind besser ist und ich im Upwind. Ein richtiges Team mit mehreren Leuten wird sich eventuell in nächster Zeit bilden, wo wir uns dann vielleicht einmal die Woche zu einem Funrace treffen könnten. Trainieren gehe ich im Schnitt vier bis fünf Mal die Woche, je nachdem wie oft es der Wind zulässt. Ich nehme mir schon recht viel Zeit fürs kiten, gehe dafür nicht viel feiern und mache auch nicht extrem viele andere Dinge nebenbei. Kiten und Studieren, das ist derzeit das Wichtigste.

 

Flysurfer: Race oder Freestyle- was ist Dir lieber?

 

Bönniger: Früher habe ich viel Freestyle trainiert aber momentan verschiebt sich alles in Richtung Race. Mich begeistern die Geschwindigkeit und die Möglichkeit, sich mit anderen zu messen. Beim Freestyle hat man während einer ganzen Veranstaltung oft nur einen Heat. Hat einem da der Wind nicht gelegen und man ist rausgeflogen, wartet man vielleicht die ganze Zeit auf eine Double Elimination und die kommt dann meist nicht. Das ist beim Race anders. Gerade in St. Peter-Ording sind wir fast jeden Tag ein Rennen gefahren, deshalb war es immer total spannend. 

 

Flysurfer: Hast Du auch schon einmal Landboarden ausprobiert? 

 

Bönniger: Nein noch nicht. Ich wollte es total gerne in St. Peter-Ording ausprobieren, da Flysurfer ja auch Mountainboards von MBS zum Testen dabei hatte, hatte aber während der 10 Tage nie Gelegenheit dazu. Ich glaube ich muss das in nächster Zeit nochmal machen.

Flysurfer: Bist Du schon einmal in Notsituationen mit deinem Kite gekommen?

 

Bönniger: Ja, eigentlich erst einmal und das war bei der Kitesurf Trophy Dahme in diesem Jahr. Das war eine wirklich krasse Situation. Nachdem wir lange gewartet hatten, ging das Rennen bei 9 bis 10 Knoten endlich los. Wir haben alle den 19er Speed geschnappt und sind raus aufs Wasser. Auf einmal merkte ich schon, wie mich die erste Böe erfasst hat. Es war starker ablandiger Wind, es hat geblitzt und ich war auf einmal kilometerweit von der Küste entfernt. Ich lag eine dreiviertel Stunde im Wasser, habe nur versucht den Kite an der Oberfläche zu halten, damit mich jemand sieht und abholt. Danach war ich erst mal ein bisschen gehemmt wieder kiten zu gehen.  Bei schräg ablandigem Wind hatte ich lange Zeit schon Bedenken, aber mittlerweile ist der Schreck verdaut. 

 

Flysurfer: Wenn es morgen Kiten nicht mehr gäbe, welchen Sport würdest Du dann wählen?

 

Bönniger: Ich habe früher eine Sportart betrieben, die ich fürs Kiten aufgegeben habe und das war Inlinehockey. Das habe ich jahrelang gemacht. Ich bin ein Teamplayer und deshalb finde ich auch das Race so toll. Da unterstützen sich die Teilnehmer gegenseitig und geben sich Tipps. 

 

Flysurfer: Was sind neben dem Kiten Deine drei liebsten Beschäftigungen auch abgesehen von Sport?

 

Bönniger: Mountainbiken und Longboarden auf alle Fälle und abgesehen von Sport … Da muss ich wirklich überlegen. Ich würde ja lesen sagen, aber das ich kein Buch fürs Studium gelesen habe sondern mal einen Krimi ist auch schon wirklich lange her. Treffen mit Freundinnen, ein Kochabend bei dem wir über Gott und die Welt reden, natürlich Zeit mit meinem Freund verbringen oder einfach mal Serien im Fernsehen gucken.

 

Flysurfer: Du bist der einzige weibliche Teamfahrer von Flysurfer, wie könnte man mehr Damen für den professionellen Kitesport motivieren?

 

Bönniger: Das frage ich mich auch manchmal. Ich weiß oft auch nicht, was die Damen von dem Sport fern hält. Man beobachtet aber immer mehr, dass sich auch junge Frauen für den Sport interessieren, was meiner Meinung nach vor allem Kristin Boese und ihrer KB4girls Tour zu verdanken ist.  Eine Möglichkeit wären Funcontests, bei denen Mädels ohne Druck oder Wettbewerb das Format Kiteboarden kennen lernen können. Mich hat das Format Race am Anfang auch abgeschreckt. Am Anfang weiß man nicht wohin man gehen soll, wie man sich verhalten soll.

 

Flysurfer: Stell dir vor Du dürftest für den Flysurfer Online Shop einen neuen Hoodie gestalten, wie würde der aussehen?

 

Bönniger: Auf alle Fälle blau, das ist meine Lieblingsfarbe. Egal welcher Farbton, hell oder dunkel, ich liebe blau. Ich würde ein weißes Flysurfer Logo auf den Hoodie setzten, Wasserspritzer und auf der Rückseite einen stilisierten Kiter, alles mit weißem Aufdruck. 

 

Flysurfer: Vielen Dank, dass Du dir für ein Interview mit uns Zeit genommen hast.

 

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